JOSEF ROSNER

Atomstrom muss nicht sein

zum PNP - Artikel: "Strompreise steigen - viele Kunden murren" vom Mai 2007
Die Strompreiserhöhung vor allem bei Nachstrom mit der »Abschaltung von Kernkraftwerken« zu rechtfertigen, schlägt dem Castor den Boden aus. Außerdem werden Atomkraftwerke nachts weder abgeschaltet noch heruntergefahren. In Ihrem Artikel wird dem Leser vermittelt, dass nur der Atomstrom billig sei. Soll damit der Verlängerung der Laufzeit von abgehalfterten und angeblich schon lange nicht mehr dem Sicherheitsstandard entsprechenden AKW wie 'Isar 1' Tür und Tor geöffnet werden ?
Folgender Argumentation kann niemand folgen: Strom könne nur billig bleiben, wenn er aus mit hohen Steuergeldern (100 Milliarden Euro) subventionierten und weit über ihren gesetzlich festgelegten Zeitraum hinaus betriebenen Atomkraftwerken kommt ?
Lösungen für Endlager werden im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen.
Für diese Entsorgungsverpflichtungen und für Rückbau von AKW haben die Betreiber Ende 2005 knapp 28 Milliarden Euro als Rückstellungen in ihre Bilanzen eingestellt - natürlich steuerfrei! Diese Summe ist nun freie Manövriermasse der Konzerne, mit der sie Zins- und Beteiligungserträge erwirtschaften. Rückstellungen dürfen mit den Gewinnen verrechnet werden und lassen so die Steuerlast sinken. Dem Staat entgehen nach Schätzungen jährlich bis zu 800 Millionen Euro Steuern, was ich als indirekte Subvention für Atomkraftwerke bezeichne. Es lohnt sich also für die Atomkraftwerksbetreiber, für längere Laufzeiten zu kämpfen.
AKW erzeugen rund 26 Prozent des Stromes in Deutschland. Betrachtet werden muss jedoch der Anteil der Atomenergie am Gesamtenergieverbrauch: Weltweit sind aktuell 442 Atomkraftwerke am Netz. Diese tragen nur zu rund 2,5 Prozent zur Deckung des globalen Energiebedarfs bei. Die 17 deutschen AKW schaffen es gerade einmal auf 6 Prozent in Deutschland und die vier ältesten AKW auf 1,1 Prozent.
Hinzu kommt die äußerst schlechte Energiebilanz. AKW sind mehr Wolkenmaschinen als Kraftwerke. Nur rund ein Drittel der Primärenergie kann zur Stromerzeugung genutzt werden, der Rest entweicht ungenutzt als heiße Luft und das Kühlwasser heizt z.B. die Isar bei Ohu auf bis zu 25 Grad auf. Pro erzeugter Kilowattstunde Strom werden also zwei Kilowattstunden Wärme ungenutzt verschwendet.
Wenn man mit den Preisen und Gebühren der Stadtwerke oder anderer Stromversorger nicht zufrieden ist, dann sollte man jetzt wechseln und sich nicht auf die Aussage von Herrn Krempchen verlassen »Strom wird billiger, wenn man nicht kündigt und sich die nächsten eineinhalb Jahre bis zum 31. Dezember 2008 an die Stadtwerke bindet« Kunden, welche nun aufgrund der Erhöhung ihr Kündigungsrecht in Anspruch nehmen, zusätzlich zu bestrafen, indem man ihnen im Nachhinein rückwirkend zum 1.Juli höhere Beiträge und Leistungspreise berechnet, grenzt schon fast -aufgrund der vermeindlichen Monopolstellung- an Ausbeuterei. Viele Kunden wissen gar nicht, dass man bei www.ews-schoenau.de atomstromlosen - klimafreundlichen Strom für 19,90 Cent/kWh + monatlichen Grundpreis von 5,90 Euro (einschließlich aller Gebühren, MWSt, usw.) beziehen kann. Auch bei www.lichtblick.de kann man sich den aktuellen Strompreis ausrechnen lassen. Dort kostet eine kWh 18,98 Cent, und es ist ebenfalls mithilfe modernster klimaschonender Technologien aus regenerativen Quellen und erdgasgefeuerter Kraft-Wärme-Kopplung gewonnener Strom.
Wie Sie sehen kostet atomstromlos erzeugter Strom annähernd soviel und -unter Berücksichtigung der monatlichen Grundgebühr- sogar weniger als der Strom der Stadtwerke. Bei einem Wechsel wird keine neue Leitung verlegt und der Strom kommt nach wie vor aus der gleichen Steckdose. Sie können dazu beitragen, dass der Anteil an sauber erzeugtem Strom im gesamten Stromnetz steigt !
Ich möchte Sie deshalb alle herzlich bitten: Drehen Sie Atomkraftwerksbetreibern und Ressourcenverschwendern den Geldhahn zu und leiten Sie dieses Geld zu verantwortungsbewussten und ökologisch wirtschaftenden Stromproduzenten. Damit haben Sie es als Kunde in der Hand, wer den Strom erzeugt und wie er gewonnen wird und können so an einer atomstromfreien ökologisch wirtschaftenden Energiezukunft mitwirken !
Josef Rosner
Architekt
Osterhofen · 08547-7246
16.Mai 2007
Legende:
unveröffentlichter Text